Besuchsdienst zum Geburtstag

Pro-Senectute-Besuchsdienst

Seit über einem Jahr sind zurzeit sechs Frauen aus der Gemeinde unterwegs und besuchen ältere Gemeindemitglieder zum Geburtstag. Der erste Besuch erfolgt zum 75. Geburtstag, dann bis zum 90. Geburtstag im 5-Jahres-Rhythmus und ab dem 90. Geburtstag jedes Jahr. Etwa eine Woche vorm Geburtstag melden wir uns an, entweder telefonisch oder mit einer Karte – wir möchten nicht unangemeldet oder unpassend kommen. Das funktioniert gut.

Der neu installierte Besuchsdienst wird sehr gut angenommen. Die Geburtstagskinder, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht (mehr) regelmäßig zum Gottesdienst kommen und auch an Veranstaltungen im Gemeindehaus nicht teilnehmen (können), freuen sich, an ihrem Ehrentag einen persönlichen Glückwunsch im Namen der Gemeinde zu bekommen.

Für mich ist es spannend, wenn ein älterer Mensch aus seinem Leben erzählt: wie unterschiedlich sind die Lebensläufe – so unterschiedlich wie das Leben im Alter. Manche Menschen leben noch völlig selbstbestimmt in ihrer Wohnung, andere schaffen das mit Hilfe der Familie und/oder mit Hilfe von außen und manche leben in Einrichtungen für ältere Menschen.

Manchmal werden Fotoalben hervorgeholt und die Geburtstagskinder zeigen lebhaft und fröhlich auf diese Weise, wie ihr Leben früher ausgesehen hat – und wie sie selbst ausgesehen haben: wie interessant. Ich mag ältere und alte Menschen und finde es wunderbar, „aus alten Zeiten“ zu hören.

Bei einem meiner Besuche zum 80. Geburtstag machte eine Freundin des Geburtstagskindes Fotos mit dem Smartphone und das Gespräch drehte sich um Organe aus dem 3-D-Drucker, bei einem anderen Geburtstag habe ich mit dem Geburtstagskind immer wieder dasselbe Lied gesungen und habe mich gefreut, dass das trotz der Demenzerkrankung möglich war. Diese Bandbreite nehme ich als Bereicherung für mich wahr und es ist schön, dass die Geburtstagskinder meinen Besuch sicherlich auch als Bereicherung wahrnehmen.

Zum Ende der Besuchszeit frage ich meistens: „Möchten Sie, dass wir noch zusammen beten?“, was oft gern angenommen wird, wenn nicht, frage ich: „Darf ich für Sie beten?“ – und das wird dann gern angenommen. Beim Abschied kommt von den Geburtstagskindern oft ein Wunsch: „Sie dürfen mich gern wieder besuchen, auch wenn ich nicht Geburtstag habe …“.

Bestimmt gibt es viele Möglichkeiten, alten Menschen ein Stück Teilnahme am Leben zu ermöglichen, z.B.  regelmäßige  Besuchspatenschaften oder hin und wieder ein Anruf oder ab und zu ein kleiner Brief? Wenn wir Zeit verschenken können und möchten, ist das auch an dieser Stelle sicherlich ein wunderbares Geschenk, das dankbar angenommen wird.

Marita Wallbaum

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