Letzte Worte

Kreuz

Die letzten Worte eines Menschen erfahren in der Regel besondere Beachtung. Sie sind so etwas wie ein mündliches Testament. Vielleicht möchte die sterbende Person ja noch eine Botschaft an die Nachwelt weitergeben. Oder aber man erwartet ein Fazit des nun gelebten Lebens aus einer fast schon außerweltlichen Perspektive. Manch einer erhofft sich wahrscheinlich auch eine Weisheit, die für das eigene Leben Orientierung gibt.

Am 5. Dezember 1791 soll Wolfgang Amadeus Mozart kurz vor seinem Tod gesagt haben: „Der Geschmack des Todes ist auf meiner Zunge, ich fühle etwas, das nicht von dieser Welt ist.“ Diese Worte eines großen Musikers bestätigen die Vermutung, dass zumindest manche Menschen im Angesicht des Todes eine Horizonterweiterung erfahren und die Dinge dieser Welt verändert wahrnehmen. Wenn dem so wäre, dann würde es sich tatsächlich lohnen, diesen letzten Worten unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Schließlich könnten wir etwas erfahren, was nicht von dieser Welt ist.

In der Bibel sind uns sieben Sätze überliefert, die Jesus am Kreuz, also kurz vor seinem Tod, gesagt haben soll. Und ganz gleich was man von Jesus halten mag, hier lohnt es sich doppelt hinzuhören. Warum? Zum einen haben wir es mit letzten Worten zu tun. Zum anderen haben wir es mit einem besonderen Menschen zu tun. Einem Menschen, der eine Friedensbotschaft verkündigt und sich für seine Überzeugungen foltern und umbringen lässt. Das ist ungewöhnlich und herausfordernd. Und es passt zu diesem Menschen, dass er selbst am Kreuz nicht aufhört, den Frieden zu suchen. Ein Satz Jesu am Kreuz lautet: „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Diese Worte machen mich sprachlos. Vergeben unter Folter. Das kommt nicht von dieser Welt. Noch am Kreuz unterbricht Jesus den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt und erstickt jegliche Form von Rache an seinem Tod im Keim. Jesus sät Frieden statt Hass.

Und das ist nur einer von sieben Sätzen, die Jesus am Kreuz der Nachwelt hinterlässt. Aber in der kommenden Passionszeit werden wir an sieben Sonntagen im Gottesdienst (ab dem 03.03.) jeweils einen von diesen sieben Sätzen in den Mittelpunkt stellen. Ich erhoffe mir durch dieses mündliche Testament Jesu, dass ich Orientierung für mein Leben bekomme und dass wir als Gemeinde etwas von demjenigen wahrnehmen, der nicht von dieser Welt ist.

Das Besondere ist ja, dass diese Sätze im Rückblick nicht wirklich letzte Worte, sondern vorletzte Worte sind. Jesus überwindet den Tod und macht aus letzten Worten vorletzte Worte. Und so fragt er am Ostermorgen Maria Magdalena, die ihn nicht erkennt: „Warum weinst du?“ Und man könnte die letzten Worte Konrad Adenauers vom 19. April 1967 hinzufügen: „Da gibt es nichts zu weinen.“ Denn Jesus lebt und wir sollen auch leben.

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