Glocken

Die drei Bronzeglocken: Paulus, Luther und MelanchtonDie ersten Glocken

Im Laufe der Baumaßnahmen im Innern der Pauluskirche wurde der Glockenstuhl, damals noch aus Holz, im Winter 1882/1883 im Turm aufgestellt. Am 26. Januar 1883 läuteten die von Rinker in Sinn (bei Wetzlar) gegossenen Glocken zum ersten Mal. Die größte wog 1200 kg, die mittlere 847 kg, die kleine 596 kg. Die Glocken waren auf die Töne E, D und Fis gestimmt.

Bis nach 1900 musste das Glockengeläut noch von Hand besorgt werden. Drei Männer waren erforderlich, um bei Vollgeläut die Glocken in Bewegung zu setzten und in Schwung zu halten. Diesen Dienst tat viele Jahre Weber Heinrich Timpe vom Stadtholz zusammen mit Schuhmacher Bracht und Nikolaus Florschütz. Die Glocken wurden täglich geläutet, manchmal sogar zweimal pro Tag.

Im Jahr 1917 mussten die drei Bronze-Glocken der Kirche abgegeben werden. Sie wurden eingeschmolzen und ihr Metall für Kriegszwecke verwandt.

Neue Glocken mit alter Bedeutung

Bald nach dem 1. Weltkrieg wurden sie durch drei Stahlglocken ersetzt. Sie erhielten die gleichen Namen und Inschriften wie die ersten Glocken. Die größte, 3000 kg schwer, führt den Namen Paulus und hat die Inschrift: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Die zweite, 2000 kg schwer, mit dem Namen Luther, hat die Inschrift: „Sola fide“, das heißt „allein durch den Glauben“. Die dritte, ebenfalls 40 Zentner schwer, trägt den Namen des Reformators Melanchton und besitzt die Inschrift „Ehre sei Gott ind der Höhe, Fried auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.“ Die Glocken sind auf die Töne H, D und E gestimmt.

Friedensglocken nach dem Krieg

Am Mittwoch nach Ostern, dem 4. April 1945, wurde Bielefeld von amerikanischen Truppen besetzt. Damit war für Bielefeld der Krieg praktisch zu Ende. Aus den Kellern und Bunkern krochen die Menschen hervor, dankbar, dass sie noch einmal mit dem Leben davongekommen waren. In der teilweise zerstörten Kirche begannen die Aufräumarbeiten. Gemeindehelfer Eduard Pankoke sorgte aber dafür, dass bereits am nächsten Sonntag die Glocken der Pauluskirche, die lange geschwiegen hatten, wieder läuteten. In diesem ersten friedlichen Läuten nach dem Krieg in Bielefeld sahen viele ein Zeichen der Hoffnung nach allen den schrecklichen Erlebnissen des Krieges.

Die Paulus-Glocke wird repariertDie Glocken rufen zum Gottesdienst

Die Glocken der Pauluskirche werden regelmäßig gewartet. Im Zuge der Turmsanierung 1999 musste die Aufhängung der bis zu 120 kg schweren Schlägel erneuert werden. Gleichzeitig wurden auch die stark beschädigten Schall-Luken am Kirchturm erneuert und verändert. Seit Ostern 1999 rufen die Glocken die Gemeinde wieder zum Gottesdienst. Jeden Samstag um 18 Uhr wird der Sonntag „eingeläutet“. Um 9.30 Uhr am Sonntagmorgen ertönt das volle Geläut, um auch noch die letzten Kirchgänger aus den Betten zu holen. Kurz vor 10 Uhr leiten sie den Gottesdienst ein. Auch an Wochentagen ertönen die Glocken der Pauluskirche als Einladung zu Gottesdienst und Gebet – in der Regel, wenn ein Gemeindemitglied beerdigt wird.