Geschichte

Am 28. Oktober 2023 wird sich zum hundertvierzigsten Mal der Tag jähren, an dem die Pauluskirche ihrer Bestimmung als Gottesdienststätte übergeben wurde. Die Geschichte der Pauluskirche und -gemeinde hat so angefangen:

Mittleres Altarfenster: Die Geburt Jesu ChristiBis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war Bielefeld eine Kleinstadt am Teutoburger Wald. Abgegrenzt durch Wall und Graben – die heutigen Straßen Siekerwall, Niederwall, Oberntorwall und Nebelswall erinnern daran – lagen die Häuser der Stadt dicht an dicht unterhalb der Sparrenburg. Um das Jahr 1800 wohnten in Bielefeld etwa 8.000 Menschen. Für die evangelische Bevölkerung standen drei Kirchen zur Verfügung: Altstadt-Nicolai-, Neustadt-Marien- und die reformierte Kirche.

Bodenmosaik im KirchenvorraumMit dem Beginn des industriellen Zeitalters begann auch Bielefeld sich weiterzuentwickeln. Ein Teilgebiet der nördlich gelegenen sogenannten Feldmark wurde nach und nach mit Fabrikgebäuden und Wohnhäusern bebaut. Kirchlich betreut wurden die Bewohner des neuen Gebietes durch die Altstädter-Nicolai-Kirchengemeinde, die sich damit um 8.000 Menschen vergrößert hatte. Wegen der vielen Gemeindeglieder wurden Nachmittagsgottesdienste eingerichtet, aber das hat nicht wesentlich geholfen. Die Wege aus der Feldmark waren zu weit, und so erklärte sich das Altstädter Presbyterium am 30. Juni 1870 damit einverstanden, eine Filialgemeinde zu gründen. Am 11. Mai 1871 wurden die Grenzen beschlussmäßig festgelegt, doch die Filialgemeinde sollte zunächst mit der Muttergemeinde vereinigt bleiben. Bald darauf wurde Pastor Friedrich Simon zum Pfarrer der abgezweigten Gemeinde gewählt und in sein Amt eingeführt. Gemeinde und Pfarrer hatten sich gefunden, aber noch fehlte die Kirche als Zentrum.

Nachdem einige Vorbereitungsarbeit erledigt war, begann man am 16. August 1880 nach einer kurzen Andacht mit dem Bau der neuen Kirche. Die feierliche Grundsteinlegung fand im nächsten Frühjahr unter zahlreicher Beteiligung der Bevölkerung statt. Da stand schon der Name der neuen Kirche fest: Pauluskirche. Für diesen Namen hatte man sich entschieden, weil die meisten Gemeindeglieder einen ähnlichen Beruf wie Apostel Paulus hatten. Apostel Paulus war Teppich- und Zeltweber gewesen und hatte auf diese Weise weithin seinen Lebensunterhalt verdient.

Vom Wetter begünstigt, konnten bis zum Winter die Mauern und der untere Teil des Turmes vollendet sowie das Dach gedeckt werden. Der Sommer 1882 wurde für den Turmbau benutzt, der dann zusammen mit dem Kreuz und Wetterhahn 72 Meter hoch wurde. Im Winter 1882/83 wurden die Arbeiten im Innern der Kirche fortgesetzt. Anschließend wurde die Kirchturmuhr installiert, deren Uhrwerk noch heute genauso zuverlässig arbeitet wie damals. Das Uhrwerk ist eins der letzten seiner Art in Bielefeld. Die Gesamtkosten für den Kirchbau – ohne Orgel – beliefen sich auf über 200.000 Deutsche Mark.

Die Einweihung der Pauluskirche fand am 28. Oktober 1883 statt. Um 9.00 Uhr versammelte sich die Gemeinde zum Abschiedsgottesdienst in der Altstädter Kirche. Danach zog die Gemeinde in einem Festzug zur Pauluskirche, wo dann der erste Gottesdienst stattfand. Nachmittags fand auch der erste Kindergottesdienst mit mehr als 1.000 Kindern statt. Außerdem wurden 13 Kinder getauft und ein Brautpaar getraut.

Pauluskirche 19331933, mitten in die Vorbereitungen zum 50-jährigen Jubiläum der Pauluskirche platzte die Nachricht, dass die Kirche baufällig geworden sei. In der Kapelle entstanden Risse, die auch auf die Kirche übergriffen. Daraufhin wurde die Kirche geschlossen und restauriert. Im Zuge der Restaurierung wurde auch ein neuer Altar eingebaut. Dahinter erhob sich das große Kruzifix, das heute auf der linken Empore steht.

Im 2. Weltkrieg blieb die Pauluskirche vor der Zerstörung verschont. Zwar musste sie zahlreiche Beschädigungen hinnehmen, aber vor direkten schweren Treffern wurde sie bewahrt, während ringsum Häuser in Schutt und Asche sanken. Die Luftdruckwellen zerbrachen alle Fenster und schleuderten Steine aufs Kirchendach und ins Innere der Kirche. Danach konnte die Kirche nicht mehr benutzt werden.

Pauluskirche seit 2001Nach Einstellung der Kampfhandlungen im April 1945 gingen freiwillige Helfer ans Werk, um die Kirche wieder verwendungsfähig zu machen. Schon am 2. September 1945 konnte der erste Gottesdienst stattfinden, an dem ein großer Teil der Gemeinde teilnahm. Während der Wintermonate musste die Gemeinde allerdings immer wieder ins Gemeindehaus ausweichen.

Am Anfang des Jahrhunderts war die Paulusgemeinde so gewachsen, dass die heutige Petrigemeinde abgekoppelt wurde. 1962 wurde auch die ehemalige Lukasgemeinde abgetrennt und verselbstständigt. Nach 1965 aber begann die Gemeindegliederzahl wieder abzunehmen.

2001 wurde die ehemalige Lukasgemeinde aus finanziellen Gründen wieder mit der Paulusgemeinde vereinigt. Im Zuge der Vereinigung wurde die Jesus-Skulptur aus der Lukaskirche an die Stelle des Kruzifix‘ sowie ein neuer, moderner Altar eingebaut. Nach der Vereinigung zählt die Paulusgemeinde nun etwa 4.000 Mitglieder.

Aus der Festschrift der Pauluskirche

Die Geschichte der Pauluskirche kann in der Festschrift „Hundert Jahre Pauluskirche Bielefeld“ ausführlich nachgelesen werden (zu erwerben im Gemeindebüro).