Durst nach Leben

FassbrauseWas für ein Sommer! Ich musste regelmäßig an die Zeilen von Rudi Carrell denken: „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer, ein Sommer, wie er früher einmal war? Ja, mit Sonnenschein von Juni bis September, und nicht so naß und so sibirisch wie im letzten Jahr.“ Dieser „richtige“ Sommer war dieses Jahr. Für die einen eine große Lust, für die anderen eine große Last. Der Durst nach einem „richtigen“ Sommer im Sinne von Rudi Carrell dürfte jedenfalls erstmal gelöscht sein.

Und es wurde sehr deutlich: Wasser ist für alles und jeden ein kostbares Gut. Sei es für die Natur, sei es für uns Menschen. Denn Durst war ein ständiger Begleiter. Unsere familiären Getränkevorräte waren gefühlt immer alle. Und selten schmeckte mir eine eisgekühlte Fassbrause aus dem Kühlschrank so gut. Eigentlich lässt sich in unseren Breitengraden der Satz „Durst ist schlimmer als Heimweh“ ja nur schwer nachempfinden, aber in diesem Sommer konnte man einen Hauch davon spüren.

Durst bedeutet ursprünglich „Trockenheit (in der Kehle)“. Durst meldet uns das Existenzbedürfnis zu trinken. Denn ohne die nötige Flüssigkeit kommen wir als ganzer Mensch gesundheitlich schnell in Bedrängnis. Ohne Wasser kein Leben. Nun kann „Durst“ nicht nur für unsere Sehnsucht nach Wasser stehen, sondern für unsere menschliche Sehnsucht nach glücklichem Leben insgesamt. Immer wieder erzählen Menschen von Trockenheit und Trostlosigkeit in ihrem Leben. Oder dann ist die Rede von einer Dürrephase oder von der Suche nach Oasen in der Wüste. Aber wie lässt sich diese Trockenheit bewässern? Wie lässt sich dieser Durst löschen?

Manch einer macht es mit ein bisschen Abwechslung in den Beziehungen. Manch eine sucht den Kick in einer neuen Freizeitaktivität. Wiederum andere gehen in ein Kloster. Und manche versuchen, den Durst nach Leben einfach zu unterdrücken. Neulich sah ich auf einem Foto einen Mann mit einem bedruckten T-Shirt. Darauf stand: „Jugend vergeht, Durst bleibt“. Auch wenn hier wahrscheinlich die Trockenheit in der Kehle gemeint war, so ist auch in anderer Hinsicht etwas Wahres an diesem Satz. Der Durst nach Glück und Leben kommt immer wieder.

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst (Offenbarung 21, 6). Jedes Jahr ist mit einem biblischen Motto versehen. Im Jahr 2018 geht es passenderweise um Durst und um Wasser. Gott möchte den Menschen, die Durst nach Leben haben, Wasser geben und zwar umsonst. Stellt sich die Frage, wie man an dieses Frei-Wasser herankommt, das den Lebensdurst wirklich löscht. In einem Gespräch, in dem es auch um Wasser und Durst ging, hat Jesus hat einmal gesagt, dass er dieses lebendige Wasser schenken kann.

Wenn sich der Lebensdurst das nächste Mal meldet, könnte es also lohnenswert sein, sich auf die Suche nach Jesus zu begeben. Ein guter Ort für diese Suche ist das Johannes-Evangelium. Hier sagt Jesus an anderer Stelle: Wenn jemand Durst hat, soll er zu mir kommen und trinken.

Pfarrer Christian Schulte

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