Aufbrechen

Ein WegJa, das ist jetzt ein sehr persönliches Problem: Weil im Sommer mein Ruhestand beginnt, ist Veränderung angesagt, Aufbruch nach 28 Jahren mit dem Inventar eines ganzen Hauses. Das ist nicht lustig!

Aber eigentlich liegt jeder Tag vor mir wie ein unbekanntes Land. Und immer habe ich zwei Möglichkeiten: mich sorgen vor dem, was kommen könnte oder ich mache mich mutig auf den Weg. Da ist der Weg zur Arbeit, zum Arzt oder der schwierige Anruf, das unangenehme Gespräch, das leere Blatt Papier, das ich beschreiben soll – immer lebe ich mit den beiden Möglichkeiten ‚Verzagtheit‘ oder ‚Mut‘.

Und wie komme ich vom einen zum anderen?

Wer den Mut immer aus sich selbst herausbringen muss, wer Zuversicht nur in sich selbst finden kann, ist irgendwann am Ende. Nein, wir sind angewiesen auf die Unterstützung durch andere Menschen und auf die Rückbindung an den lebendigen Gott, der mein Leben und alle Zeit auf wunderbare Weise in seiner Hand hat.

Rückbindung

Das lateinische Wort für diese Rückbindung ist ‚Religion‘. Das ist eine Vertrauenssache und ein sehr bewusster und entschiedener Vorgang! Wer glaubt, vertraut sich Gottes Hand an. Aufbruch: ich gebe mich in seine Hand und seinen Willen.

Die Bibel erzählt von zwei Richtungen, in denen dieser Aufbruch geschieht.

Zuerst und am erstaunlichsten: Gott bricht zu seinen Menschen auf! Völlig verrückt! Und er wusste, was er tat. Er wusste, was passieren würde, wenn er sich in die Hände der Menschen gibt, er hat sie am Kreuz zu spüren gekriegt. Aber selbst im Sterben hat er die Menschen nicht von sich weg gestoßen, „Vater, vergib ihnen“. Diese Richtung des Aufbruchs hat Jesus uns vorgelebt.

Die andere Richtung beschreibt uns Jesus in einer Beispielgeschichte: Ein junger Mann hatte die Tür zum Vaterhaus hinter sich zugeworfen. Er wusste es besser als Vater, er wollte sein Leben ohne ihn führen. Jesus erzählt eindrücklich, wie die Sache ihren Lauf nimmt (Lukas 15). Sau-mäßig stinkend und runtergekommen bricht der Junge am Ende auf und findet zurück. Er muss zu Hause nicht erst klingeln, der Vater läuft ihm schon entgegen, umarmt den Stinkenden und setzt ihn wieder vollständig in alle Rechte eines Sohnes ein. Das ist Heimkehr. Das nennt die Bibel Bekehrung: Aufbrechen, um endgültig wieder nach Hause zu kommen.

Nach-Hause-Kommen

Der Vater vereinbart keine Probezeit, „Wenn du dich ein halbes Jahr anständig benimmst, will ich es wohl mit dir versuchen“ – nein, dieser Vater lässt keine Zweifel an seiner Barmherzigkeit aufkommen. Dieser Vater ist Gott! In Jesus läuft er dir entgegen! Deswegen können wir aufbrechen, um nach Hause zu kommen.

Und wenn dann ein Aufbruch vor dir liegt, ein schwerer Weg, ein schwieriger Mensch oder der Tod, dann darfst du wissen: Jesus ist da! Er ist der Unterschied zwischen Verlorengehen und Nach-Hause-Kommen.

„Wenn Gott uns heimbringt aus den schlaflosen Nächten, aus dem fruchtlosen Reden, aus den verlorenen Stunden, aus der Jagd nach dem Geld, aus der Angst vor dem Tod. Die Suchenden finden endlich ein Du. Wir werden schauen, ohne je an ein Ende zu kommen. Wenn Gott uns heimbringt aus den Tagen der Wanderschaft, das wird ein Fest sein. Ein Fest ohne Ende!“ (Martin Gutl)

Ihr Pfarrer Michael Sturm

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