Wer kann’s?

Ein Basketball in meinen Händen ist 20 Euro wert – in den Händen von Dirk Nowitzki aber 20 Millionen! Eine Geige in meinen Händen bringt nur Misstöne hervor – in den Händen von Anne-Sophie Mutter die wunderschönste Musik. Es kommt halt drauf an, wer’s in der Hand hat!

Gleich auf der ersten Seite der Bibel lesen wir, das Gott die Welt den Menschen in die Hand gegeben hat – mit dem Auftrag „herrschet über sie!“ Wie ein guter König soll der Mensch Macht haben und für die Welt sorgen. Da können wir uns berechtigte Sorgen machen. Einige Völker vertrauen den ganz starken Männern – oder jedenfalls Männern, die stark wirken. Aber so etwas hatten wir in der Vergangenheit schon mal, nicht unbedingt mit gutem Ausgang.

Nun haben wir aber ein Superwahljahr. Da kannst du wählen! Ist das nicht super? Und wir können uns nicht nur beteiligen, indem wir unsere Stimme abgeben, es gibt vielfältige Gelegenheiten, uns zu beteiligen und Verantwortung zu übernehmen. Dabei erleben wir, dass nicht nur alles sehr kompliziert ist, sondern dass wir in unserem Land nicht auf einer Insel leben. Die Welt bleibt mit ihren Problemen nicht draußen, sondern schwappt in unser Land hinein. Alles ist mit allem verknüpft. Manche von uns fühlen sich wegen der vielen Fremden im eigenen Land selber fremd. So kommt immer wieder die Frage nach der eigenen Identität und Kultur auf.

Das Gespräch und schon das Nachdenken darüber sind schwierig, denn Identität und Kultur ist etwas, das normalerweise unbewusst mitläuft wie das Betriebssystem eines PC. Es funktioniert, ohne dass wir es verstehen. Aber nun sind Fremde da und wir erleben unser Anderssein.

Wie hältst du’s mit der Kultur?

Innenminister Thomas de Maizière hat einen Zehn-Punkte-Katalog zur deutschen Leitkultur vorgelegt. Er schreibt dazu: „Wer sich seiner Leitkultur sicher ist, ist stark.“ Ich möchte ihm dabei unbedingt zustimmen. Offen und respektvoll verhält sich nur, wer sich seiner selbst bewusst und sicher ist.

Ich habe aber den Eindruck, dass wir uns eher unsicher sind und vor allem nicht einig. Der Verlust von Tradition hat den Boden verbindender Werte und Vorstellungen ziemlich dünn gemacht. Und wenn de Maizière schreibt, „In unserem Land ist Religion Kitt und nicht Keil der Gesellschaft“, dann müssen wir doch feststellen, dass die meisten Menschen in unserem Land mit Religion gar nichts mehr anfangen können.

Es kommen hunderttausende Muslime in unser Land. Sie erleben nicht nur ein wohlgeordnetes, reiches und großzügiges Land, sondern auch eine für sie unbegreifliche Gottlosigkeit und für sie anstößige Freizügigkeit. Sie finden hilfsbereite Menschen, aber kaum christliche Gesprächspartner, die über ihren Glauben Auskunft geben und christlichen Glauben leben. Das wird noch zu einem ernsten Problem werden. Die da oben können es nicht richten, wenn wir in unserem Alltag nicht unsere Kultur bewusst und sicher leben.

Ja, es kommt drauf an, wer’s in der Hand hat! Es kommt darauf an, wer die Welt in der Hand hat! Es kommt drauf an, wer mich in der Hand hat! In den guten Händen des für uns Gekreuzigten ist noch viel Platz.

Ihr Pfarrer Michael Sturm

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