Veränderung

Jahreslosung 2017Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.

Seitdem ich diese Kurzgeschichte von Bertolt Brecht in der Schule gelesen habe, muss ich immer schlucken, wenn ich diesen Satz höre. „Sie haben sich gar nicht verändert.“ Oft ist dieser Satz positiv gemeint, doch drückt er ja gleichzeitig Stillstand aus. Wenn sich nichts verändert, ist alles gleich geblieben. Alles. Das ist langweilig und erschreckend. Zum Erbleichen. Da schimmert schon der Tod ein wenig durch.

Immer wieder führe ich am Ausgang der Kirche nach Gottesdiensten Gespräche mit Menschen, die eine Kirche, also Frau K., lange nicht gesehen haben. Ein häufig gehörter Satz lautet dann: „Der Gottesdienst war ja ganz anders.“ Es erscheint dann ein Lächeln auf meinem Gesicht und ich antworte: „Das freut mich.“ Ich frage dann manchmal, was denn ganz anders war. „Die Musik, die Mischung von Alt und Neu und die vielen Menschen“, ist dann eine häufig zu hörende Antwort.

500 Jahre nach der Reformation ist die Frage nach Veränderung für die Kirche weiterhin wichtig. Ein Jubiläum in Gedenken an die guten alten Zeiten hilft aber niemandem weiter. Es kann nur um eine Veränderung gehen, die sich an den bleibenden Grundlagen der Kirche orientiert: Allein Jesus Christus. Allein aus Gnade. Allein die Bibel. Allein der Glaube. Das ist das Herzstück, die Grundlage und das Ziel. Formen müssen sich verändern. Die inhaltliche Ausrichtung bleibt die Gleiche.

Es ist ein Herzensanliegen Gottes, uns in dieser Ausrichtung zu unterstützen. In der Jahreslosung für 2017 sagt er: „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36,26) Der eigentliche Reformator ist Gott. Er verändert Menschen mit harten Herzen, mit verletzten Herzen, mit vergifteten Herzen und mit traurigen Herzen. Er verändert mich und will auch Sie verändern.

Was passiert, wenn Gott einen Menschen oder Institutionen verändert? Es zieht ein neuer Geist ein. Unser Denken, Fühlen und Handeln orientiert sich nun an der Frage: Was ist Gottes Wille? Das ist ganz schön herausfordernd und kann das Leben ziemlich umkrempeln, aber es ist eine Veränderung, die sich lohnt. Diese Veränderung führt mich weg aus meinem eigenen kleinen Leben in die große Geschichte Gottes.

Die Geschichte von Bertolt Brecht heißt „Das Wiedersehen“. Ich möchte Sie einladen, Frau K. mal wieder zu sehen. Vielleicht hat sich seit der letzten Begegnung ja etwas verändert und es ist ganz anders. Und vielleicht kommt es bei dieser Begegnung dann ja auch zu einer zweiten Begegnung, zu einer Begegnung mit dem Herzensschenker und Geistveränderer. Er begrüßt sie mit den Worten: „Ich schenke dir ein neues Herz und lege einen neuen Geist in dich.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.